Friedensdialog Ausbildung - AKU-Wirkstatt

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Gespräch mit Sieglinde Lorz, Projektleiterin und Autorin, Bern.


Wandel im persönlichen Leben und in den Gesellschaften.

Sieglinde Lorz, wir haben gemeinsam ein Projekt vor zum obigen Thema.
Was steckt denn eigentlich hinter dem persönlichen Wandel und dem Wandel überhaupt?
In der heutigen Zeit ist wichtig, dass wir erkennen, dass es Wandel gibt. Wir können ihm nicht ausweichen. Er findet statt. Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Geht der Wandel mit uns um, oder gehen wir mit ihm um? Das Ziel dieses Projekts ist es, in eine Selbstbestimmung zu kommen im Leben und verstehen zu lernen, was denn eigentlich im Leben geschieht, und aus diesem Verständnis heraus bewusst im Leben zu wirken, nicht als Spielball durch die Ereignisse geschoben zu werden.

Du arbeitest als Projektleiterin.
Seit 14 Jahren arbeite ich als Projektleiterin und bin seit 20 Jahren in der Wirtschaft verankert. Projektleitung wird viel als etwas sehr Technisches, etwas Methodisches angesehen. Jedoch bedeutet Projektleitung eigentlich, mit und für Menschen zu arbeiten. Das ist es, was mir Freude macht. Ich wünsche mir, dass in Zukunft der Fokus vermehrt wieder vom wirtschaftlich/technischen Aspekt hin auf den Menschen gerichtet wird.

Heisst das, dass unser Leben selbst ein Projekt ist?
Wenn wir ganz natürlich auf das Leben schauen, egal was wir tun, ob wir eine Ausbildung angehen, ob wir heiraten, Kinder kriegen oder eine Weltreise machen, sehen wir, dass all das Projekte sind. Das ganze Leben ist ein Projekt. Wir haben uns etwas vorgenommen, als wir auf die Welt kamen. Wir wollen etwas tun. Das Leben hat einen Sinn. Alles was Sinn macht, etwas zu erreichen und zu erfüllen, ist ein Projekt.

Wo lernen wir, dass unser Leben ein Projekt ist?
Wenn ich zurückdenke und mich frage, wo ich gelernt habe, dass mein Leben ein Projekt ist, ist es nicht im Elternhaus, nicht in der Schule, nicht in der Weiterbildung, auch nicht im Arbeitsleben. Es ist an dem Punkt gekommen, als ich mir die Frage gestellt habe, was denn eigentlich der Sinn meines Lebens ist? Warum bin ich da und wofür? Diese Fragen habe ich mir erst gestellt, als ich den Sinn meines Tuns nicht mehr sah. Da erst bin ich dem Ganzen nachgegangen. Dann fand ich Lehrer an der Universität des Lebens, die mir aufgezeigt haben, dass mein Leben selber ein Projekt ist und einen Sinn hat.

Sind wir unsere eigenen Projektleiter?
Ja das sind wir, und zugleich unsere eigenen Lehrer. Wir suchen uns Situationen, aus denen wir lernen können, um unsere nächsten Schritte zu tun. Es sind manchmal kleine Dinge, wenn uns etwas betrifft, uns erfreut oder manchmal auch etwas, das uns aus der Bahn wirft. Wenn wir anfangen zu verstehen, warum dies und das gerade jetzt geschieht, welche Botschaft diese Erfahrung mit sich bringt, und was ihre Chance ist, wandelt sich etwas in unserer Wahrnehmung und hilft uns weiter zu kommen im Leben.

Was ist denn das Leben selbst?
Einfach gesagt, ist das Leben eigentlich der Weg. Wir gehen in diesem Leben unsern Weg. Das Leben definiert sich nach dem Weg, den wir gehen. Unser Hintergrund, der bewirkt, dass wir etwas so und nicht anders machen, warum wir diesen Schritt jetzt gerade so machen, schreibt die Geschichte unseres Lebens. Das ist das Leben.

Was bedeutet denn Wandel?
Wandel geschieht dann, wenn sich der Zustand verändert. Das wiederholt sich. Jeder Tag verändert. Wir leben in Zyklen. Der schönste Wandel, den wir erleben können, ist die Metamorphose, die Entpuppung des Selbst, unseres eigentlichen höchsten Potentials, unserer eigenen Kraft, die uns hilft, uns zu entfalten. Sodass wir erkennen, wer wir wirklich sind, was unsere Gaben sind und wie wir sie auch leben können. Wenn das geschieht, haben wir den Wandel perfekt in unser Leben integriert.

Wir hören aus verschiedenen Quellen vermehrt von Konflikten, kriegerischen Auseinandersetzungen, Nöten ganzer Völker, erneuten Krankheiten. Wie deutest du das?
Wenn wir aus der Sicht heraus, dass die Medien als Reflexion die Gesellschaft darstellen und aufzeigen, was die Menschen bewegt, können wir sagen, sie reflektieren Zustände in den Gesellschaften, die akut und aktuell sind. Es ist momentan sehr viel Verkrampfung da. Diese Unterdrückung, die mit Sinnlosigkeit einhergeht, weil Leben unterdrückt wird, muss ausbrechen. Es ist das Wehren gegen das persönliche Potenzial, das unter der Kruste hervor gelebt werden will. Das Sinnvolle in uns wird unterdrückt. Der Ausbruch ist etwas Schmerzliches, doch zeigt er auf, dass etwas Neues leben möchte. Dies im persönlichen Leben und zwischen den Völkergemeinschaften. Dies zeigt sich oft schmerzlich als Konflikt, als Krankheit, ja als Kriege. Es bricht so aus, dass wir etwas erkennen können, was sich wandeln will in uns. So dass wir aus der Ohnmacht in unsere Mächtigkeit, in unsere Kraft kommen.

„Die eigene Mächtigkeit erkennen“ ist ein starkes Wort. Liegt darin der Motor zum Wandel?
Momentan haben wir eine starke Perspektive der Ohnmacht, und Macht wird oft gebunden
an ein sehr starkes materielles Potential. Wenn ich erkenne, dass ich mein Leben selbst bestimmen kann, dass ich nicht abhängig bin von andern, und von dem, was um mich geschieht, wenn ich die Verantwortung übernehme und so, aus der Ohnmacht in die Mächtigkeit, in meine eigene Kraft komme, ist unser Potential der Motor zum Wandel.
Einen Wandel den wir leben wollen und nicht leben müssen.

Heisst das, dass der Wandel, die Gesundung, die Veränderung bei mir beginnt?
Wenn ich in meiner Kraft bin und meine Verantwortung übernehme, dann erkenne ich, dass nicht der andere etwas ändern muss. Das Einzige das ich kann, ist die Veränderung bei mir zu leben. Und das kann ich. Zuerst geschieht dies im Bewusstsein, um sich danach im Aussen zu gestalten. Das ist schon sehr viel.

Wir leben in einer globalisierten Welt. Bedeutet das, dass auch der Wandel im Grossen bei mir beginnt? Beeinflussen wir den Wandel der Völkerfamilie, geben wir Impulse in das grosse Ganze?
Wir geben sogar starke Impulse in das Grosse. Wenn wir wirklich erkennen, global betrachtet, dass alle Menschen gleich sind, die gleichen Grundbedürfnisse haben, den gleichen Wert, und wir beginnen, unserm Wert und dem Wert des Du auf Augenhöhe zu begegnen, gleich welcher kulturellen, religiösen oder politischen Zugehörigkeit auch immer,
wird alles was ich tue, was mir dient auch dem andern dienen. Wenn ich dieses Verbindende erkenne, werde ich nie etwas tun, was mich vom andern trennt, was dem andern schaden kann. So wirken wir ganz, ganz stark im grossen.

Das heisst, es ist die Herzarbeit, die uns eine neue Sicht, einen neuen Geist des Lebens, der Welt gibt?
Wenn wir die Welt mit dem Herzen betrachten, erkennen wir das Verbindende, die globale Vernetzung. Ich weiss, wer immer mir hier gegenüber ist oder an einem andern Ort des Planeten, dass wir das Gleiche sind. Heute leben die Gesellschaften stark aus der Wertigkeit, aus der Bewertung heraus. Das kommt aus dem Verstand. Er bewertet und vergleicht. Das gibt ein trennendes Bild. Wenn wir davon weggehen zurück ins Herz, werden wir das Verbindende unter uns Menschen erkennen und nicht den Unterschied. Das sind grosse Potentiale, die auch untereinander schöpferisch gelebt werden möchten. Das schafft Frieden.

März 2015
Sieglinde Lorz und Doris Marti

 
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